Die Entstehung meines Songs „I See the Wonder”

Das Songschreiben ist für mich eine Art Flucht aus der Welt und allem, was mich umgibt. Nicht selten findet meine Schreibroutine spät abends, so nach 23 Uhr, statt. Erstens sind zu dieser Zeit die meisten anderen aus der Familie schon im Bett (oder sie sollten es zumindest sein), und es herrscht endlich Ruhe im Hause Madders. Außerdem ist es dann, auch in den Sommermonaten, dunkel geworden, und ich schalte gerne die kleineren Stehlampen und atmosphärisches Licht im Zimmer ein – das ist genau das, was ich mag. Ich könnte nicht schreiben, wenn ich zum Beispiel irgendwo auf einer Insel bei vollem Sonnenschein und 30 Grad im Sand säße. Das würde für mich einfach nicht passen.

Sobald das Stimmungslicht eingeschaltet und Ruhe eingekehrt ist, schnappe ich mir die Akustikgitarre und fange an, darauf herumzuspielen. Manchmal ganz frei, um zu schauen, was dabei herauskommt. Manchmal habe ich vom Vortag eine Aufnahme auf dem iPhone, die ich noch zu Ende feilen muss. Wie auch immer – zuerst wird warm gespielt und ausprobiert. Wenn’s gut läuft, kommen dann schon Melodien für den Song im Kopf. In den meisten Fällen habe ich im Vorfeld in meinem Notizbuch bereits ein Textskelett, das sich als halbfertiger Song herauskristallisiert hat.

Aber im Großen und Ganzen weiß ich vorher nicht, was dabei herauskommt. Der Text kann sich auch ändern, je nachdem, ob er zum Rhythmus passt oder nicht.

Dann spiele ich einfach. Ich lasse mich treiben, verliere gerne mal den Faden, spiele zwischendurch auch mal was anderes. Irgendwann habe ich dann etwas, das hängen bleibt, das ich immer wieder spiele und das sich gut anfühlt.

Aber wie komme ich auf den Text?

Das ist unterschiedlich.

Mein liebstes Werkzeug dabei ist mein iPhone. Wie die meisten heutzutage habe ich das lästige kleine Ding immer dabei, auch wenn ich mit dem Hund unterwegs bin. Da kommen mir manchmal Textzeilen, Ideen, Melodien – alles Mögliche in den Kopf. Dafür nehme ich mein iPhone und die Voice-Memos-App. Alles wird festgehalten, egal wie blöd oder bedeutungslos das hinterher klingen mag.

Sammeln und später Revue passieren lassen – das ist hier die Devise.

Wenn später beim Abhören etwas Besonderes heraussticht, wird das Notizbuch herausgeholt und dann weiter verfeinert.

Die Geburt von „I See the Wonder”

Ich weiß noch genau, als ich mit dem Schreiben von „I See the Wonder” angefangen habe, hatte ich eine ganz genaue Vorstellung im Kopf, wie es klingen sollte.

Ich war nämlich wieder mal spazieren, und es war Herbst – meine Lieblingsjahreszeit. Die Farben, die tiefen Sonnenstrahlen, die Luft – alles wirkte irgendwie verträumt und malerisch. Ich hatte kurz zuvor noch mal Kinderbilder durchsortiert, und plötzlich fiel mir dieses eine Bild ein: Es war ein Foto meiner Tochter, als sie mit sieben oder acht Jahren mit mir im Wald unterwegs war. Wir hatten Tiere, Insekten, Blätter und alles andere genau angeschaut.

Dann kamen wir zu einem Baum, dessen Stamm von oben bis unten mit Birkenpilzen bedeckt war – wie eine Treppe hinauf zur Krone. Da sie ja noch klein und ein ziemliches Leichtgewicht war, half ich ihr, den Baum hochzuklettern, wobei sie die Pilze als Stufen benutzte. Sie hatte an diesem Tag diesen kindlichen Blick in den Augen: weit aufgerissen, alles in sich hineinziehend, wissbegierig und neugierig, aber von Bewunderung durchdrungen.

Diesen Anblick werde ich nie vergessen.

Und so hatte ich eine relativ einfache Aufgabe: das Ganze nun als Song zu verarbeiten.

So entstand in nur ein paar Minuten der Text, der zufällig wie die Faust aufs Auge auf eine Akkordfolge passte, an der ich schon wochenlang gearbeitet hatte. Das Schreiben und Anpassen war leicht – es hat einfach Klick gemacht.

Es läuft nicht immer so rund mit dem Songschreiben. Aber in diesem Fall schrieb der Song sich praktisch von selbst.


Wenn wir mit offenen Augen und offenem Herzen durchs Leben gehen, passieren so manche Wunder. Man muss sie nur sehen.

I see the wonder in your eyes…


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