Was ich von den Rock-Urgesteinen Varicose Vein aus Melle lernen konnte
Es war für mich das erste Mal, dass ich die Bühne mit den Rockern von Varicose Vein teilen durfte. Beim XVE-Festival unter den 15 Eichen im Jahr 2024 standen sowohl Varicose Vein als auch Back to the Roots im Abendprogramm. Beide Bands gibt es schon seit über 35 Jahren in Melle – und trotzdem hatte es vorher nie einen gemeinsamen Auftritt gegeben. Warum eigentlich? Tja, so genau weiß das heute keiner mehr. Diesem und anderen Rätseln sind wir in meinem Podcast mit Varicose Vein auf den Grund gegangen – könnt ihr euch übrigens immer noch anhören, falls ihr neugierig seid.
Jedenfalls war es für mich eine Premiere, auf die ich mich schon im Vorfeld richtig gefreut hatte. Da es beim Festival nur eine Hauptbühne gab, die wir uns teilen mussten, hieß das: gemeinsamer Aufbau – und natürlich gegenseitig beim Soundcheck reinhören.
Schon beim Aufbau fiel mir direkt auf: Die Jungs von Varicose Vein waren nicht nur da, um zu spielen – sie waren da, um Spaß zu haben. Die Stimmung war locker, witzig und völlig entspannt – ganz anders als bei uns von Back to the Roots, die eher zum „leicht angespannten“ Typ neigen. Aber unprofessionell? Nein, ganz im Gegenteil – einfach nur gechillt.
Zwischendurch konnten wir ein bisschen quatschen – über Gitarren-Setups, Setlisten und natürlich über das eine oder andere Musikerlatein. Zeit für Witze war selbstverständlich auch vorhanden. Beim Soundcheck lief zwar nicht alles rund: Es gab leichte Kommunikationsprobleme zwischen Tontechniker und Band – teils wegen kaputtem Equipment auf Seiten der PA, teils wegen eines gewissen „Platzhirsch-Gehabes“ des Technikers, der sich wohl profilieren wollte.
Aber auch da blieben Varicose Vein völlig ruhig. Geduldig, freundlich, ohne Stress. Auf meine Frage, wie sie dabei so gelassen bleiben können, meinten alle mehr oder weniger das Gleiche:
„Man kann’s eh nicht ändern.“
Und das ist wohl die Essenz.
Sie haben sich einfach auf den Gig gefreut – und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.
So war’s dann auch: Der Auftritt lief rund, VV rockten die Bühne wie gewohnt, hatten Spaß – ohne Allüren, ohne Showgehabe. Einfach ehrlicher, bodenständiger Rock’n’Roll.

Was ich davon mitgenommen habe?
Ich musste wirklich mal einen Gang runterschalten – besonders, wenn’s ums Aufbauen oder den Soundcheck geht. Mit mittlerweile 57 Jahren darf der Spaß an der Sache ruhig wieder etwas mehr im Vordergrund stehen.
Lasse ich mich manchmal von anderen, gestressteren Musikerkollegen anstecken?
Wohl möglich.
Bringen mich Kleinigkeiten zu schnell aus der Ruhe?
Definitiv.
Kann ich das ändern?
Hundertprozentig!
Ich nehme mir ab sofort ein Beispiel an Varicose Vein – und gehe die Sache entspannter an. Vielleicht genehmige ich mir beim Aufbau sogar mal ein Bierchen. 🍺

Ich glaube nämlich, meine zu hohe Erwartungshaltung hat in den letzten Jahren den echten „Rock’n’Roll“ ein bisschen aus der Sache rausgenommen. Und das ändert sich jetzt – dank VV.
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